Die Küche Mallorcas wurde von verschiedenen Kulturen geprägt und hat ein umfangreiches Repertoire gut bäuerlicher Speisen zu bieten, die fast immer sehr einfach sind und oft interressante maurische Einflüsse verraten.  Die Insel ist voller typischer Restaurants, in denen die herrlichen Spezialitäten Mallorcas probiert werden können.

Mallorca bietet alle Köstlichkeiten der mediterranen Küche. Als Basiszutaten werden Gemüse wie Paprika, fruchtige Tomaten, Zucchini, Auberginen und Knoblauch sowie Fisch, zartes Lamm- und Schweinefleisch bester Qualität angemacht mit Mandeln, Oliven, Zitronen und wunderbaren Kräutern verwendet. Dazu serviert man ausgezeichnete und unverwechselbare Inselweine.

Wer auf kulinarische Entdeckungstour gehen möchte, sollte unbedingt im Mai die Mostra de Cuina Mallorquína besuchen. Auf diesem einwöchigen Festival können Sie die besten einheimischen Weine und Gerichte probieren. Am letzten Sonntag im September findet im Nordosten Mallorcas im Ort Cala Ratjada eine Fischmesse statt. Hier können Sie alle Gerichte rund um die Goldmakrele probieren. In der zweiten Septemberhälfte wird im Weinort Binissalem jedes Jahr eine Woche lang das traditionelle Weinfest „Festejos del Vermar“ gefeiert. Versäumen Sie nicht die sensationelle Traubenschlacht, das traditionelle Traubentreten sowie das große Paella-Essen mit Tanz und Musik auf dem Marktplatz. Binissalem liegt im Zentrum des berühmtesten Weinanbaugebietes Mallorcas.

Es lohnt sich, die mallorquinischen Spezialitäten kennenzulernen. Am besten gehen Sie dafür in kleine Restaurants, in denen Einheimische verkehren.

Suppen und Eintöpfe

Im Spanischen werden die Begriffe caldo (Brühe), sopa (Suppe) und potaje (Eintopf) unterschieden. Der Eintopf wird auf Mallorca auch im Plural (span. sopas oder katalan. sopes) genannt, was wegen der Ähnlichkeit mit sopa (im Singular für „Suppe“) zu Missverständnissen führen kann. Sopes sind keine Suppen, sondern dicke Eintöpfe, die oft in der Greixonera, einem typischen flachen, rotbraunen Kochgefäß aus Ton, serviert werden. Beispiele für Gerichte dieser Gruppe sind:

Sopa Mallorquin:  deftiger Kohleintopf mit Fleischeinlage. Dazu wird eine mit dünnem Bauerbrot ausgekleidete Greixonera mit Wirsingkohl, Spinat, Bohnen, Tomaten, Artischocken, Erbsen, Paprika, Petersilie, Knoblauch, Brühe und Fleisch angemacht.

Sopa de verdura: Gemüsesuppe, deren Zubereitung oft unterschiedlich ist.

Sopa de caldo: Fleisch-, Gemüse, Fischbrühe.

Caldereta: ein mallorquinischer Eintopf in einer Variante mit Meeresfrüchten (caldereta de mariscos) oder mit Langusten (caldereta de langostas). Basis ist der sofrito, eine spanische Soße aus geschmorten Tomaten, Zwiebeln und Paprikaschoten. Damit wird der Fischsud, in dem vorher die Langustenstücke oder Meeresfrüchte angebraten wurden, serviert.

Greixera: Eintopf mit Ei, Fleisch, Artischocken, Erbsen und frischen Saubohnen, gewürzt mit Kräutern.

Escaldum: Ein Eintopf mit Hähnchen- und Putenfleisch, Kartoffeln und einer Pinienkern -oder Madelsoße.

Reisgerichte

Ebenso wie im nahgelegenen Katalonien und Valencia der spanischen Festlandküste sind auf Mallorca Reisgerichte üblich.

Arròs brut: zu deutsch „Schmutziger Reis“, wird mit Blutwurst, Sobrasada, Fleischstücken vom Schwein, Huhn oder Kaninchen und den Jahreszeiten entsprechendem Gemüse zubereitet, als würzige Beilage wird fonoll mari (Meeresfenchel) verwendet. Etliche Restaurants im Landesinneren verwenden statt Resten ausgewählte Stücke und geben zum Reis nicht Farbstoff (colorante), sondern Safran, und verwenden Wild, Wachtel- oder Taubenfleisch.

Arroz a la marinera: Reis mit Fisch und Meeresfrüchten.

Arròs de cec: Blinde Paella. Diese Paella enthält keine Knochen oder Schalen und kann deshalb „blind“ gegessen werden. Verwendet wird Rundkornreis, Huhn, Schweinelende, Tintenfisch, Krabben, Miesmuscheln, Erbsen, Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch.

Fleischgerichte

werden auf Mallorca als Carn oder Carnes bezeichnet. Auf der Insel ist Fleisch vom Schwein und Lamm üblich, Rindfleisch kommt nur in Restaurants mit baskischer und galizischer Küche vor. Einige Gerichte und Fleischprodukte, wie Sobrassada und Butifarra, werden mit dem Fleisch einer einheimischen Schweinerasse, dem „schwarzen Schwein“ zubereitet. Ein Auswahl an typischen Fleischgerichten sind:

Costillas de cordero: Lammkoteletts.

Rostit d’anyell:  ein köstlicher Lammschmorbraten. mit Rosmarin, Thymian, Zwiebeln, Tomaten und Knoblauch.

Llom amb col: Schweinelende mit Wirsingkohl, mit Pinienkernen, Rosinen, Mandeln, schwarzen Oliven, Speck, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Thymian und Majoran.

Lechona: zartes Spanferkel oft mit gebratenen Kartoffeln und Salat serviert.

Sobrassada de Mallorca de Cerdo Negro: Typische mallorquinische fein-feurige Wurstspezialität, die aus rohem feingehacktem, an der Luft getrockneten mageren Schweinehackfleisch hergestellt wird. Dem Fleisch werden Schweinespeck, Salz, scharfes rotes Paprikapulver, Rosmarin, Thymian, Oregano und Pfeffer beigegeben. Der Zusatz von Farbstoffen ist ausdrücklich verboten. Die Wurstmasse wird in Därme abgefüllt, wo sie nach traditionellen Herstellungsverfahren, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, langsam reift. Diese Wurst, die mild oder würzig sein kann, besteht ausschließlich aus dem Fleisch des auf Mallorca beheimateten schwarzen Schweines (porc negre). Es handelt sich um eine Schweinerasse, die auf Mallorca nach überlieferter Weise gezüchtet und gefüttert wird. Die schwarzen Schweine Mallorcas liefern ein ganz besonderes schmackhaftes Fleisch, weil sie mit Feigen, Bohnen und Kaktusfrüchten gemästet werden.

Butifarón: eine Kräuter-Blutwurst.

Frito mallorquín: eine Mischung aus frischen Innereien, am besten vom Lamm, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Fenchel und Paprikaschoten.Lomo con col: ein Schweineschnitzel aus der Lende mit Kohl, Pinienkernen, Rosinen und Blutwurst, geschmort, ist zwar kein echter Eintopf, wird aber als Eintopf (greixonera) serviert.

Palomo con col: Taube, auf ähnliche Art zubereitet wie das Fleischgericht Llom amb col.

Fischgerichte

werden als auf mallorquin als peix oder auf Spanisch als pescado bezeichnet. Je nach Saison werden frische Doraden, Wolfsbarsche, Seehechte, Steinbutts, Heilbutt, Kabeljau, Makrelen, Seeteufel, Seezungen, Zackenbarsche, Thunfisch, Brassen, Merlanen, Tintenfische und Sardinen serviert. Außerdem gib es alle Arten von Krebsen, Muscheln und Garnelen. Die besten Fischrestaurants findet man in der Nähe der Häfen. Fast nichts aus dieser herrlichen Fülle kommt heute aus dem Mittelmeer rund um Mallorca, sondern per Luftfracht in Eis verpackt frisch vom spanischen Festland oder von den Kanarischen Inseln.

Fisch in der Salzkruste:  für diese wunderbare mallorqinische Delikatesse werden beispielsweise fangfrische Doraden verwendet.

Zarzuela de pescado: ein wunderbares Fischgericht  in einer mild-pikanten Soße mit Gemüse und Pinienkernen. Auf einer spanischen Speisekarte bedeutet Zarzuela eine erlesene Auswahl verschiedener Fischsorten und Meeresfrüchte, die mit Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Knoblauch angebraten und dann mit einem Schuss Wein gegart werden. Typische Zutaten zur Zarzuela sind beispielsweise Kalamares (calamares), Seeteufel (rape), Seehecht (merluza), Meeraal (congrio), Garnelen (gambas), Langusten (langostinos), Miesmuscheln (mejillones) und anderer Muscheln (almejas). Eine Zarzuela wird in flachen Pfannen mit zwei Griffen zubereitet und serviert, gelegentlich auch in Tonschalen.

Calamares Rellenos: mit einer Hackfleischmischung gefüllte Tintenfische, mild und mal was anderes.

Arròs de peix i marisc: eine Fischsuppe mit Reis.

Anfós amb col: Heilbutt im Wirsingkohlwickel verfeinert mit Blutwurst, Sobrassada, Pinienkernen, Rosinen, Zwiebeln, Tomate, Paprika, Knoblauch und Weißwein.

Pollastre i gambes: Hühnchenbrust mit Hummerkrabben, Speck, Sobrassada, Mandeln, Rosinen, Knoblauch und Weißwein.

Calamars farcits: kleine Tintenfische mit Hack, Pinienkernen, Knoblauch, Petersilie und Oregano gefüllt.

Chipirones: ausgebackene Babytintenfische.

Boquerones: kleine eingelegte oder ausgebackene Sardinen.

Arròs amb llagosta: deftige köstlicheSpezialität auf Mallorca mit Reis, Languste und Sobrasada.

Carxofes amb bacallà: Artischocken mit Kabeljau gefüllt.

Soßen

werden auf Spanisch als salsa bezeichnet. Auf spanischen Speisekarten kann eine für ein Gericht verwendete Soße oft durch den Zusatz a la („nach Art von“) erkannt werden. Auf Mallorca anzutreffende Soßen sind:

a la mallorquina: hergestellt unter Verwendung von Öl, Tomaten, Knoblauch und Zwiebeln; mit charakteristischem Geschmack.

a la vasca: helle, duftige und milde Soße mit grünen Kräutern aus dem Baskenland, die für Fischgerichte und Meeresfrüchte verwendet wird.

Aioli: eine Öl-Knoblauch-Soße, die gerne zu Schnecken, Fleisch, weißem Fisch oder geröstetem Brot gereicht wird; manchmal auch mit Ei als Knoblauch-Mayonnaise zubereitet.

Mayonaise: salsa mahonesa oder salsa mayonesa, ursprünglich aus der Stadt Mahón auf Menorca.

Borrida: wird zum Grillfisch serviert. Es gibt viele Variationen dieser herrlichen Sauce. Oft besteht sie aus Kapern, gekochten Kartoffeln, Olivenöl, Pfeffer, Milch und Fenchelkraut. Andere Zutaten können geschmorte Zwiebeln, Knoblauch, Pinienkerne, Rosinen und Zitronenschale sein.

Weitere Spezialitäten

Pa amb oli:  die Leib-und Magenspeise auf Mallorca. Ein köstliches olivenöl-getränktes, geröstetes salzloses Graubrot (pa moreno) dient als Grundlage, auf der man sonnengetrocknete Tomaten und Knoblauch zerreibt. Dazu gibt es Käse oder Jamón, ein Schinken, der in den trockenen Gebirgsgegenden Mallorcas hergestellt wird.

Tapas: sind eine Sammlung netter Kleinigkeiten wie Muscheln, Fleischklößchen in pikanter Soße, Tortillas (spanisches Omelette), Wachteleier, Calamares in Soße, Schinken und vieles mehr. Es gibt auf Mallorca Restaurants, die sich auf Tapas spezialisiert haben. Tapas sind ähnlich wie ein Bufet auf dem Tresen unter Glas aufgebaut mit dem Unterschied, daß Sie sich nicht selbst bedienen können.

Pa de figa: Feigenbrot, geknetet aus getrockneten Feigen und gemahlenem Anis mit einem Schuss Anislikör. Pa de Figa wird auf einem Feigenblatt mit einem Kaffee oder einem Glas Anislikör serviert.

Sofrit: geschmortes Gemüse als Beilage zu Fleisch- und Fischgerichten aus hellgrünen Paprika, Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch und Olivenöl.

Coques: dünne Hefeblechkuchen, die mit verschiedenen Gemüsen und anderen Zutaten belegt werden (Einzahl von coques = coca).

Coca de verdura: Gemüsecoca mit Mangold oder Spinat, Zwiebeln, Knoblauch und Petersilie.

Coca de trempó: ist eine Salatcoca mit Paprika, Tomaten, Salatstreifen, Zwiebeln und Olivenöl, manchjmal findet man auf dieses Coca auch köstliche  Pilze.

Coca amb pinxes: mit Sardinen belegt.

Coca de pimientos: saftig rot und etwas süßlich schmeckende Coca, die mit Paprikastreifen und Tomaten belegt wird.

Tumbet: ein feuriger Gemüseauflauf mit gebratenen Paprikaschoten, Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, Zwiebeln und Auberginen.

Tumbet amb ous: Auberginenauflauf mit Ei, Tomaten, Kartoffeln und Knoblauch.

Pimientos de Padrón: kleine milde, herzhafte und zum Teil sehr scharfe grüne Mini-Paprikaschoten, die frisch aus der Pfanne mit grobem Meersalz gewürzt serviert werden.

Croquetas: Kroketten mit Fisch-, Gemüse- oder Geflügelfüllung.

Datiles con Bacon: gebackene Datteln im Speckmantel.

Tortilla: eine Art Bauernfrühstück aus Kartoffeln, Ei, Zwiebeln und Knoblauch.

Setas al Roquefort: Pilze in Roquefortsauce.

Gató de Almendras: ein trockener Mandelkuchen, köstlich mit Vanilleeis.

Gelat d’ametlla: sensationelles Mandeleis meist serviert mit Mandelkuchen.

Bunyols: leckerer frittierter Krapfen aus Kartoffeln, Mehl, Hefe und Zucker.

Cacarrois amb bledas: pikante Teigtaschen mit Mangold und Rosinen.

Essen im Restaurant

Die Speisekarten der Restaurants sind heute überwiegend auf Mallorquí geschrieben, ein spanischer Dialekt, der dem Katalan sehr ähnelt. Daneben finden Sie aber meist auch eine deutsche und englische Übersetzung. Lassen sie sich nicht durch spanische und katalanische Bezeichnungen verwirren. Betrachten sie dieses Sprachenspielchen als Teil des Stolzes der Bevölkerung Mallorcas und genießen Sie lieber die Spezialitäten der Küche Mallorcas.

Im guten Restaurants gilt die Regel: Kein Tisch wird zweimal verkauft. Man darf sich also nicht wundern, wenn man abgewiesen wird, obwohl noch viele Tische frei sind. Sind die Tische bestellt, bleiben sie auch frei, bis die Gäste kommen. Mallorquiner kommen mittags selten vor zwei Uhr, abends zwischen neun und zehn Uhr, im Sommer eher noch eine Stunde später. In Urlauberzonen profitieren die Gastwirte von den unterschiedlichen Essenzeiten einheimischer und ausländischer Gäste. Vor allem Deutsche sind gern gesehen, weil sie früher essen. Einen Tisch im Restaurant sollte man nur beanspruchen, wenn man wirklich zum Tafeln kommt. Wer kein Menü mag, sollte in einer Bar oder Bodega einkehren, wo eine Vielzahl von kleinen Tapas und belegten Baguettes (bocadillos) serviert wird.

Die mallorquinischen Mahlzeiten, sei es am Mittag oder am Abend, bestehen aus mindestens drei Gängen und können daher recht lange dauern. Vor der Vorspeise (entremeses) nimmt man Brot und Oliven je nach Gusto auch mit Aioli oder auch etwas zum Knabbern (para picar). Nach der Vorspeise (Salate, Suppen, Schnecken, Schinken, Muscheln) wird das Hauptgericht (segundo plato) serviert, sei es Fisch, Fleisch oder Geflügel. Der Nachtisch ( postre) besteht aus Obst, Eis, Flan (Eierpudding mit Karamelcreme), Gebäck oder Käse. Das typische Essen wird mit Kaffee und Cognac oder einem Cava (katalanischer Sekt) beendet.

Frühstück

Ebenso wie in ganz Spanien üblich, ist das mallorquinische Frühstück (desayuno) karg: ein café solo (Espresso) oder ein cortado (Espresso mit einem Schuss Milch) mit der Variante con leche fría (kalte Milch) oder con leche caliente (warme Milch), oder einen Milchkaffee cafè amb let (café con leche), lediglich mit einem croissant (Hörnchen) oder einer Ensaimada. Eine Ensaimada ist ein köstliches leichtes schneckenförmiges Schmalzgebäck, das mit Puderzucker bestreut ist. Sie ist die Königin der mallorquinischen Backstuben, eine Spezialität, die es nur auf Mallorca gibt. Die Ensaimada wird aus sehr feinem Schweinefett, Mehl, Öl, Eiern und Wasser hergestellt. Es gibt sie ungefüllt oder mit Kürbiskonfitüre, Puddingcreme, Sahne, Mandelpaste oder Schokolade gefüllt. Auf den Dörfern gibt es sie nur an Sonn- und Feiertagen. Eine alte tradiditionsreiche Bäckerei ist der Forn des Teatre in Palma de Mallorca mit seiner wunderschönen Fassade im Art-Deco-Stil.